Was ist Shilajit? Herkunft, Gewinnung und Inhaltsstoffe
Shilajit ist eine dunkle, klebrige Substanz, die in Hochgebirgen aus dem Gestein austritt. Sie enthält organische und mineralische Bestandteile, die sich über sehr lange Zeit in Gebirgsspalten angesammelt und verändert haben. Wegen seiner Farbe und seines Rufs in der traditionellen Medizin wird Shilajit oft „schwarzes Gold" genannt. In Russland und Zentralasien kennt man denselben Stoff als Mumijo. Wie genau er entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Was ist Shilajit genau?
Shilajit gehört zu den organisch-mineralischen Naturstoffen. Es ist also weder eine Pflanze noch ein reines Mineral, sondern eine Substanz aus organischen und mineralischen Bestandteilen, die sich über lange Zeit in Gebirgsspalten bildet. Von der Konsistenz her erinnert es an Harz oder Teer, die Farbe reicht von Dunkelbraun bis Schwarz. Dazu kommt ein kräftiger, eigener Geruch.
Der Name stammt aus dem Sanskrit und wird meist mit „Bezwinger der Berge" oder „Zerstörer der Schwäche" übersetzt.
In der Fachliteratur taucht Shilajit auch als Asphaltum punjabianum auf. Mit dem Asphalt aus dem Straßenbau hat es trotz des Namens nichts gemein.
Ist Shilajit dasselbe wie Mumijo?
Ja. Shilajit und Mumijo bezeichnen denselben Naturstoff. Welcher Name verwendet wird, hängt vor allem von der Region ab. Der Begriff „Shilajit" stammt aus dem indischen Sprachraum und ist eng mit der ayurvedischen Tradition verbunden. „Mumijo" ist dagegen in Russland und Zentralasien gebräuchlich, etwa im Altai, in Kasachstan oder Kirgisistan. Im deutschen Handel stehen beide Namen oft nebeneinander, zum Beispiel als „Shilajit (Mumijo)".
Woher das Wort Mumijo kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Eine Erklärung führt es auf das persische Wort für Wachs zurück, eine andere auf das Griechische. Der Stoff selbst hat mit Mumien nichts zu tun.
Nicht alles, was ähnlich aussieht, ist Shilajit. In Gebirgen gibt es weitere dunkle Ablagerungen, die sogenannten Mumioide. Sie ähneln Shilajit äußerlich, können sich aber in Herkunft und Zusammensetzung unterscheiden.
Woher kommt Shilajit?
Die bekanntesten Vorkommen liegen im Himalaya. Shilajit findet sich aber auch in anderen großen Gebirgen Asiens, etwa im Altai, im Kaukasus oder in der Mongolei, und sogar in den Anden. Meist tritt es in Höhen zwischen 1.000 und 5.000 Metern an Felswänden und in Höhlen zutage. Vor allem in der warmen Jahreszeit sickert es aus dem Gestein.
Verwandte Substanzen kommen sogar außerhalb dieser Gebirge vor. Forschende haben eine Mumijo-ähnliche Probe aus der Antarktis untersucht und ihr Alter auf rund 3.000 Jahre geschätzt.
Wie entsteht Shilajit?
Eine abschließende Erklärung gibt es bis heute nicht. Am häufigsten wird angenommen, dass sich Pflanzenreste und Mikroorganismen in Felsritzen über sehr lange Zeiträume zersetzen. Vermutlich tragen Druck, Klima und das umgebende Gestein dazu bei, dass daraus über lange Zeit eine mineralhaltige, harzartige Substanz entsteht.
Welche Pflanzen beteiligt sind, ist ebenfalls offen. Genannt werden unter anderem Wolfsmilchgewächse, Weißklee und verschiedene Moose. Manche Fachleute halten es auch für möglich, dass Überreste von Meerestieren aus früheren Erdzeitaltern beteiligt sind, etwa Ammoniten.
Da sich Pflanzenwelt, Gestein und Klima von Ort zu Ort unterscheiden, fällt auch das Ergebnis jeweils anders aus. Shilajit aus dem Himalaya ist deshalb nicht unbedingt genauso zusammengesetzt wie Mumijo aus dem Altai.
Wie wird Shilajit gewonnen?
Traditionell wird Shilajit von Hand gesammelt. Sammler lösen die Masse direkt von den Felsen, weshalb sich Funde aus verschiedenen Orten stark unterscheiden können.
Im Rohzustand enthält es noch Gesteinsbrocken, Sand und Pflanzenteile. Deshalb wird es anschließend gereinigt. Üblich ist, das Rohharz in Wasser zu lösen, die unlöslichen Bestandteile absinken zu lassen und die Flüssigkeit zu filtern. Danach wird die Lösung durch Erhitzen eingedickt, bis eine zähe, dunkle Masse übrig bleibt.
Auch im Ayurveda wird Shilajit traditionell erst nach einer solchen Reinigung verwendet. Wenn im Handel von reinem Shilajit die Rede ist, ist in der Regel diese gereinigte Form gemeint.
Was enthält Shilajit?
Der größte Anteil entfällt auf Huminstoffe. Je nach Analyse machen sie etwa 60 bis 80 Prozent der organischen Masse aus, vor allem in Form von Humin- und Fulvinsäuren. Der mineralische Teil umfasst zahlreiche Spurenelemente, darunter Eisen, Magnesium und Zink. In manchen Untersuchungen wurden über 80 verschiedene Elemente gefunden. Daneben enthält Shilajit Dibenzo-α-pyrone, Aminosäuren, organische Säuren und polyphenolische Verbindungen.
Wie viel davon tatsächlich drin ist, schwankt stark mit Herkunft und Verarbeitung. Eine umfassende chemische Analyse gibt es laut einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 bislang nicht. Rohes Shilajit kann zudem Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber enthalten.
Die Forschung hat sich bisher vor allem mit dieser Zusammensetzung beschäftigt. Was über mögliche Effekte bekannt ist, steht im Beitrag zur Wirkung von Shilajit.
Welche Formen von Shilajit gibt es?
Im Handel wird Shilajit in mehreren Formen angeboten, die sich vor allem in der Verarbeitung unterscheiden:
Harz: gereinigtes Shilajit in seiner zähen Grundform, meist in kleinen Tiegeln.
Pulver: getrocknetes und fein gemahlenes Harz.
Extrakt: ein konzentrierter Auszug, der oft auf einen bestimmten Gehalt an Fulvinsäure eingestellt ist.
Kapseln, Tabletten und Fruchtgummis: enthalten Pulver oder Extrakt in fest portionierter Menge, teils zusammen mit weiteren Zutaten.
Shilajit in der traditionellen Medizin
Am bekanntesten ist die Verwendung im Ayurveda. Dort gilt Shilajit seit über 3.000 Jahren als Rasayana, also als verjüngendes Mittel, und wird bereits in klassischen Texten wie der Charaka-Samhita erwähnt. Die ayurvedische Lehre unterscheidet traditionell vier Sorten, benannt nach den Metallen, denen sie zugeordnet werden: rötliches Shilajit nach Gold, weißes nach Silber, bläuliches nach Kupfer und schwarzes nach Eisen. Am häufigsten genutzt wird die schwarze, eisenhaltige Sorte.
In der Unani-Medizin, der griechisch-arabischen Heilkunde, gilt Shilajit als „Muqawi", als Stärkungsmittel. Die traditionelle chinesische Medizin kennt den Stoff ebenfalls, und in Russland und Zentralasien ist Mumijo seit Langem Teil der Volksmedizin.
Diese Überlieferungen zeigen, wie Shilajit traditionell eingesetzt wird. Als wissenschaftlicher Beleg für eine Wirkung gelten sie nicht.
Häufige Fragen zu Shilajit
Ist Shilajit vegan?
Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Shilajit entsteht vermutlich überwiegend aus Pflanzenmaterial, nach der verbreitetsten Theorie können aber auch tierische Ausscheidungen beteiligt sein. Ob ein Produkt als vegan gekennzeichnet wird, entscheidet der jeweilige Hersteller.
Ist Shilajit in Deutschland erlaubt?
Ja, als Nahrungsergänzungsmittel. Im Novel-Food-Katalog der EU wird Mumijo zwar als neuartiges Lebensmittel geführt, die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln ist davon aber ausgenommen. Für andere Lebensmittel, etwa Getränke, wäre eine eigene Zulassung nötig. Gesundheitsbezogene Angaben für Shilajit hat die EU bislang nicht zugelassen.
Quellen
NDR: Shilajit: Wirkung und Nebenwirkungen des „schwarzen Goldes"
PTAheute: Shilajit – ein Superfood aus dem Himalaya?
Quazi R. S. et al.: Shilajit, a Powerful Molecule of Ayurveda Science. Pharmacognosy Research, 2023
Kamgar E. et al.: Übersichtsarbeit zur chemischen Zusammensetzung von Shilajit (PubMed 38133965)
Mumijo Traditional Medicine: Fossil Deposits from Antarctica (PMC3139983)
EU-Kommission: Novel-Food-Katalog, Eintrag Mumijo